Thursday

TRAVEL // SNAEFELLSNES - Halbinsel der Vielfalt

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as Alleinereisen ist in diesem Traveljahr meine beste Erfahrung bisher! Nur so kommt man mit den interessantesten Personen und Situationen in Kontakt. Und so traf ich die verdammt coole Reisebegleitung Eva am Frühstücksbuffet im KEX und wir brachen zusammen Hals über Kopf auf und fuhren mit dem Mietauto zur Snaefellsnes Halbinsel.

Das Eva verdammt cool sein musste, konnte ich nur ahnen, als ich ihrem mutigen Versuch am Nachbartisch sich an matschigem Porridge zu probieren schel zusehe. Mit dieser Glotzerei von der Seite hat sich auch jegliche Gesprächseröffnung erübrigt und wenige Minuten später stellen wir beide fest, als einzige alleine zu reisen und nicht einen Pauschelurlaubsmasterplan in der Tasche zu haben. Aber Eva hat ein Mietauto und will ebenso wie ich nach dem Golden Circle am Vortag heute auf eigene Faust aufbrechen. Ihr Plan ist es nördlich aus Reykjavik auf der Ringroad rauszufahren und vielleicht bis zu den Westfjörden zu kommen. Klingt doch super! Keine Ahnung warum, aber sie nimmt mich mit und so sitze ich mit einer zerknitterten Kostenloskarte auf dem Beifahrersitz und versage kläglich uns aus Reyikjavík herauszulotsen.
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Wir brechen auf zur Snaefellsnes Halbinsel. Die Insel ist nicht so sehr bekannt als Ausflugsziel für den Haupttouristenstrom. Snaefellsnes verspricht allerdings eine Miniaturversion von gesamt Island zu bieten. Alle Arten von Landschaften und Morphologien finden sich auf der gen Westen ragenden Landzunge. Wir haben wohl aus Unwissenheit einige weitere spektakuläre Ziele verpasst, aber was dieser Tag mit sich bringt, ist mehr als wir erahnen könnten...

Aus der Stadt nordwärts auf der Straße N°1 erspähen wir bereits durch die Regenschauer die verlockende Natur. Wir sind beide gleichermaßen aufgekrazt und plapperen drauf los. Dass wir auf einer Welle schwimmen, merken wir am ersten Wasserfall. Wir sind uns einig, dass wir da jetzt hinlaufen müssen und diesen Wasserfall anfassen und uns natürlich nackt darunter stellen wollen. Also matschen unsere Nicht-Wanderschuhe nach wenigen Metern abseits der Straße auf der sumpfigen Wiese komplett durch. Aber wir schlagen uns auch über Schafkacke weiter bis zur Felsenkante. Wir haben diese Challenge geschafft und werden mit einer schockierend kalten Kneippkur auf unseren nackten Füßen im Wasserfall belohnt. Total überwältigender Ausblick, als wir uns umdrehen. Der Nieselregen hat über dem Fjord einen Regenbogen über die hutzelig kleinen Farmen mit ihren roten Dächern gezaubert. Was für ne Postkarte!


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// Challenge geschafft! Am Wasserfall angekommen und glücklich!

Wir durchqueren einige Kilometer weiter mit nassen Füßen und mulmigem Gefühl im Bauch einen endlos scheinenden Tunnel. Erst geht es Kilometer um Kilometer hinunter unter die Erde. Als sich der Tunnel in der Hälfte wieder bergauf wölbt, sind wir ein bisschen erleichtert. Wir lassen Akranes und Borgarnes liegen und fahren durch Nieselregen und Vulkanlandschaften in bizarren Formen weiter westlich auf die Snaefellsnes Halbinsel. Unsere Straße heißt ab jetzt Nummer 54. Der nächste Stop ist eine beliebige Ausfahrt zu einem kleinen Häuschen an der Küste. Eine schwarze Felsenküste mit Stille und unendlichem Weitblick. Eva kann ewig auf einem Felsen sitzen und in den Horizont starren. Absolute Weite und Ruhe. Wir hinterlassen noch jeder einen kleinen Steinturm bevor wir wieder in den kleinen weißen Mietwagen steigen.

Die Snaefellsneshalbinsel ist benannt nach dem Snaefellsjökull. Dem Gletscher auf einem versiegten Vulkanberg im Westen der Halbinsel. Am Fuße des Gletschergebirges liegt das Nestchen Ólafsvík. Wir fahren nicht ganz um die Landspitze herum, sondern schlagen den Weg über die Hochebene ein. Dort neben dem Gletscher und zwischen einem weiteren Berg pfeift ein heftiger Wind über die kleine Landstraße und den Hochgebirgssee. Als wir aussteigen fliegen wir fast weg, rennen einen Hügel hinauf und müssen oben Schutz suchen und unsere Haare, Kameras und ich meine Brille festhalten. Die Sonne drängelt sich zwischen den ziehenden Wolken durch und wir haben bei der Abfahrt einen weiteren Panoramaausblick ins Tal. Auf der Nordseite der Halbinsel angekommen, klettern wir an einem weichen schwarzen Strand aus dem Auto und schauen den Wellen zu. Gleich anschließend schlängelt sich die Straße über eine Steilküste hinauf.

Vor uns eröffnet sich ein weiterer großer Fjörd, dem ein großer Tafelberg vorgelagert ist. An den Bergen reißen Wolken vom Meer kommend sich in weiße Fetzen auseinander. Im Wechselspiel des Lichts durchqueren wir Grundarfjör∂ur. Über dem kleinen Hafen beginnt ein Regenbogen vor unseren Augen zu wachsen. Wir schaffen es kaum aus dem Örtchen heraus zu fahren, denn der Bogen spannt nun seinen kompletten Halbkreis auf. Vom sattgelbem Gras bis hinein in das türkisblaue glitzernde Wasser. Noch so eine Postkarte. Wir sitzen fast eine Stunde wohl und bestaunen diesen Regenbogen.

Hinter den Fjörden der Snaefellsneshalbinsel überqueren wir breite Flußtäler auf Brücken. Danach gelangen wir wieder in meine Lieblingslandschaft: Tuff! Vulkanlava, die schaumig durch die Luft flog und erstarrte prasselte kilometer vom Vulkan entfernt nieder. Noch immer stehen die porigen Gefelse in bizarren Formen in der Landschaft. Darüber wuchert eine flauschige Schicht aus Moos. Wir laufen über diese Lavalandschaft. Über uns verformt sich eine weiße Wolke zu dem Profil eines zarten Gesichts! Die weitere Rückreise wird mit unserem Mietauto etwas beschwerlicher, weil sich die Road 54 in eine Schotterpiste verwandelt und wir nicht mehr als 50kmh zu fahren wagen. Kurz bevor die Sonne in den Wolken verschwindet haben wir erneut einen ganz anderen Panoramablick in ein klassisch paradiesisches Tal. Wie gemalt stehen hinter uns die steilen Felshänge, auf den sumpfigen Wiesen flattern diese weißen Baumwollartigen Pflanzen und vor uns glitzert ein Gebirgsfluss im Gegenlicht.


Die Rückfahrt zieht sich dank Schotterpisten trotz Überquerung der Hochebene und vermeintlicher Abkürzung ewige Stunden durch grauen Regen und sehr eineschränkte Sicht. Eva und ich sind beide sehr sehr froh nicht ganz alleine in diesem Mistwetter gefangen zu sein. Wir kommen total beseelt und fertig abends 22°° erst wieder im Kex Hostel in Reykjavík wieder an. Morgen wollen wir einen Spa- und Relaxtag gemeinsam unternehmen. So eine tolle Reisefreundin hätte man nirgens sonst finden können....


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Tuesday

TRAVEL // GOLDEN CIRCLE - Der Klassiker in Island

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// Raus aus der Stadt. Mit einer Bustour auf den Golden Circle.

Wer zum ersten Mal nach Island kommt, der beginnt seine Reise in die Natur sicherlich auch in Reykjavík. An einem grauen Vormittag buchte ich eine Bustour als Einstieg. Die klassische Tour, den "Golden Circle" ist perfekt für den ersten Besuch in Island. Und dieser Ausflug weckte meinen Hunger auf nochmehr Island!

Im KEX Hostel empfiehlt man mir eine der günstigsten Touren mit Reykjavík Bustravel. Dieser Anbieter hat das günstigste Angebot für die klassische Tour und sammelt die witzige kleine Reisegruppe an den Hotels und Hostels ein. Der etwa sechsstündige Ausflug kostet mich 6500 ISK also circa 43€. Gleich als wir Reykjavík verlassen, verzaubert mich die Landschaft mit ihren kargen Vulkanfeldern, Mooswiesen und bizarren Felsmorphologien. Der Fahrer erklärt uns die verschiedenen Überformungen und Bergformationen und ihre Entstehungen. Am Busfenster rinnt permanent Regen über die Scheiben und die Landschaft wird noch bizarrer. Wir durchqueren nach kargen schwarzen Tufflandschaften eine Talebene mit fast schon üppiger Vegetation. Dort liegen neben Koppeln mit vielen Islandpferden kleine Hütten, die sich im niedrigen Wald verstecken und kleine Bäche und Flüße schlängeln sich hindurch.

Noch immer im Nieselregen erreichen wir unsere erste Station: den großen Geysir. Nach dieser großen heißen Quelle, sind alle anderen Quellen auf der Welt benannt. Ein isländisches Phänomen und Wort. Unterirdich trifft Wasser auf heiße tektonische Ströungen und da das Wasser in regelmäßigen Abständen "überkocht". wird eine riesige Fontäne sichtbar, die in den Himmel geschleudert wird. Der eigentliche alte Geysir ist durch sich verändernde geothermale Strömungen inzwischen versiegt, dafür ist der Nachbargeysir aller sechs Minuten zur Freude der Touristen in einer riesigen Fontäne zu bewundern. Dieser ganze Tag durchnässt mich also permanent ...

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// Der Geysir spuckt aller 6 Minuten eine große Fontäne kochenden Wassers aus.

Die zweite Station auf der Tour ist nicht minder nass: Der große Gullfoss. "Foss" ist das isländische Wort für Wasserfall. Und was für ein Wasserfall! Tösend stürzen sich die vom Regen aufgewühlten braunen Wassermassen in eine felsige Schlucht. Man kann über einen Pfad bis vor zum Wasserfall gehen. Im aufsteigenden Sprühregen wird meine Canonkamera komplett durchnässt. Oberhalb des Wasserfalls gibt es ein Denkmal für Sigridur Tomasdottir von Brattholt. Eine Powerfrau, die schon früher Reisenden den schweren Weg zum Wasserfall zeigte. Als im 19 Jahrhundert Investoren den Wasserfall zur Energiegewinnung anzapfen und zubauen wollten, kämpfte Sigridur um den Schutz dieses Naturdenkmals.

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// Gullfoss Wasserfälle - circa 120km von Reykjavík entfernt liegt dieser riesige Wasserfall

Wir brechen vom Wasserfall weiter auf und unser Busfahrer bringt uns nun nach Þingvellir. Þingvellir oder Thingvellir ist das Tal der Täler. Hier driften die Eurasische und die Amerikanische Kontinentalplatte auseinander. Der Grund für die aktiven Vulkane, die Geothermie und die ständige Veränderung Islands. Im Thingvellir ist ein Rift zwischen den beiden Platten entstanden an dem der Nordatlantische Rücken zu tage tritt. Der riesige Nationalpark in der Grabenbruchzone wird von vier aktiven Vulkanzentren umgeben. Ein Fluß stürzt in einem Wasserfall in die Thing-Ebene, durchquert diese und mündet in einem riesigen See.

Dieses Tal hat für Island kulturhistorisch große Bedeutung. Nach der Besiedlung Islands um 800Jahre nach Christ herum, gründeten sich in den verstreuten Siedlungsgebieten Räte. Diese Räte untereinander tagten im "Thing" in eben diesem Tal und formten damit die erste Form eines Parlaments. Das moderne Parlament Islands liegt inzwischen in Reykjavík am innerstädtischen See.

Da das Wetter mäßig bleibt, bemerkt unser Busfahrer:

"It is spectacular....
spectacular how little you can see today."
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                          // Blick in die Flosagjá im Thingvellir.


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