Friday

TRAVEL // REYKJAVÍK - Ein Fischerdorf fängt Touristen

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// Reykjavik - Altstadt am Tjornin See
mit der City Hall

An meinem ersten Tag in Reykjavík stromere ich an einem ruhigen Sonntag durch die Stadt. Ich mache mir hier erstmal einen Überblick über die Lage und werde von hier aus die kommenden Tage planen. Doch irgendwie will der Funke nicht so recht überspringen. Diese Stadt hat einen seltsamen Charme und wirkt als Hauptstadt verloren...


Da ich am Vorabend das große Kulturfestival verpasst hatte, präsentierte sich die Stadt wie ein von Touristen überlaufenes Fischerdorf mit einem gehörigen Kater. In der einzigen Einkaufsstraße marschieren total übertrieben ausgerüstete Touristenpärchen auf und ab. Outdoorjacken, von Schals vermummte Gesichter und Handschuhe - es sind 15° Lufttemperatur; hab ich was verpasst? Das nennt man in Island gemeinhin Sommer.

Also versuche ich meinen Weg aus diesem komischen Treiben zu finden und laufe schier unendlich lange bis zur westlichen Küste der Halbinsel. Ich passiere dabei die historischen Häuschen im Stadtkern und in Reykjavíks Altstadt. Was man also an einem solch verschlafenen Sonntag in Reykjavík machen könnte:
  • auf den Aussichtspunkt an der Hallgrimskirkja klettern und sich die Stadt von oben ansehen
  • einen heißen relativ günstigen Kaffee im Café Babalú trinken mit kostenlosem Refill
  • sich über die bunt angestrichenen Häuser freuen
  • das Harpa Konzerthaus mit seiner verrückten modernen Architektur ansehen
  • den Kolaportid Flohmarkt am Hafen besuchen
  • weitere Tipps und tägliche News bei The Reykjavík Grapevine 
  • das Tourismusbüro von Reykjavík hat eine tolle Webseite Visit Reykjavík
 Die Stadt wirkt wie die wilde Ansammlung einiger schön bunter Holzhäuschen, die sich gegen die brachial dazwischengeschobene moderne Architektur behaupten müssen. Ich kapiere, dass die Stadt nicht wirklich schön ist und ich nicht zuviel zu erwarten habe. Die Weite des sich öffnenden Meeres auf beiden Seiten der Halbinsel jedoch, verspricht bereits die Wunderwelten die sich erst hinter Reykjavík auftun würden.

Die Einwohner der Stadt heben sich sehr deutlich von den Touristen ab, die die Einkaufstraße überschwemmen. Hier ist der Hipstertrend in vollem Gange und ich gucke mir an diesen hübschen Menschen meine Nase platt. Wie würde ich wohl rumlaufen, würde Berlin mit doppelt soviel Touristen, wie Einwohnern befüllt sein? Ich glaube ich würde mich auch betont von der praktischen Kleidung der Besucher distanzieren wollen. Ich mag das und bin gespannt wie die Isländer so ticken und ob sich leicht ein Kontakt herstellen lassen könnte.

Iceland // Spiegeleule // Reykjavik Day 1
// Blick von der Saebraut Küstenstraße vorm Kex Hostel
in Reykjavik


Einer der schönsten Orte der Stadt ist hingegen des KEX Hostel in Downtown Reykjavík, in das ich eingecheckt bin. Die Einrichtung ist mit sehr viel Liebe zum Detail und zu vintage Industrial Design ausgesucht. Im ersten Obergeschoss der ehemaligen Keksfabrik befindet sich eine Bar und ein Restaurant und auch für die Isländer ist das ein sehr beliebter Ort sich zu treffen. Immer Mittwochs gibt es Livesessions isländischer Bands. Die Mitarbeiter haben immer ein paar gute Tipps parat und helfen gerne bei Buchungen oder Fragen. Ein wirkicher Wohlfühlort mit ganz leckerem Frühstück!

Also trinke ich abends ein Vikinbier im Kaffibarinn und überlege, wie ich am besten schnellstmöglich aus der Stadt rauskommen kann. Derweil spiel Justin Timberlake in Reykjavik ein Konzert auf seiner Welttournee. Absurder geht es wirklich nicht ...

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Tuesday

TRAVEL // Island - Alles was man erleben muss

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// Island Island - auf in's Abenteuer

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errlich war es und übervoll. Das hier wird mein großer Reisebericht über meine Zeit in Island. Die verschiedenen Tage und Kapitel werden hier verlinkt. Also navigiert euch gerne thematisch oder chronologisch durch meine Islandreise.


 Zuvor ein paar generelle Gedanken und Gefühle zu der skandinavischen Insel. Denn wer nach Island reist, der wird total widersprüchliche und vielseitige Dinge sehen und erleben. Und das weckt beim Reisen in einem selber auch immer derartige Gefühle und Anregungen. Meine Islandreise wurde vorallem geschürt durch zuviel Musik von Gus Gus. Das Ensemble macht feine elektronische Musik und das bereits seit 15 Jahren. Kurz vor meiner Abreise hatte ich das Glück ein Konzertticket für ihren Zwischenstop im Berghain zu erwerben. Und nachdem ich selber in Island über Moos, Felsen, Eis und schwarzen Sand gewandert bin, hat das Konzert in Berlin einen wunderschönen Abschluss gegeben. Die Insel hat mich total bekehrt. Bisher haben mich eher die großen Städte, die Menschen in den Ballungsräumen und das kulturelle Leben eines Landes interessiert - aber Island macht wohl aus Jedem einen Naturliebhaber. An einem Tag kann man hier die unterschiedlichsten Landschaften, Morphologien, Wetterlagen beobachten. Nach einem Wasserfall, kommt schon ein Gletscher, dahinter kommt das wilde Meer mit seinem schwarzen Vulkanstrand; fährt man weiter passiert man Pferde auf saftigen Wiesen, zwischen Vulkanlandschaften knabbern Schafe nach Moos und trotten durch die karge Landschaft....

Mit dem inneren Soundtrack von Gus Gus also wurde ich jeden Tag den mein Abflug nach Reykjavik näher rückte nervöser. Ich fragte mich, ob es wirklich eine so gute Idee ist, alleine zu reisen. Alles worum ich mich gekümmert hatte, waren warme Klamotten, alle Kameras einzustecken, ein Regencape und meine Lederstiefel neu kleben zu lassen. Für die ersten Nächte hatte ich mir einen Platz im wunderschönen KEX Hostel gebucht. Das erwies sich als die beste Entscheidung dieser Reise. Wenn man alleine reist, dann sind Hostels viel viel besser um andere Reisende kennen zu lernen.

In Reykjavik kam ich am Sonntag an und hörte Schwärmereien von dem Kultur Festival Reykjavik, dass am Samstag davor den 23. August in der ganzen Stadt mit unzähligen Liveacts und Partys und einem riesigen Feuerwerk stattgefunden hatte. Mist!

Aber dafür hatte ich die Freude am Sonntag gleich meine örtliche Lieblingsbar mit dauerhaft unglaublich guten elektronischen DJs, das Kaffibarinn, gefunden zu haben. Nach einem Supportauftritt für Justin Timberlake trudelten dort dann auch noch Gus Gus ein. Der erste Abend in Island verlief also schonmal unplanbar traumhaft.

Generell kam ich mir mit meiner Mal-gucken-was-so-geht-Attitude unter den ganzen Jack-Wolfskin-Pauschal-Abenteurerpärchen echt ein bisschen verloren vor. Aber das sollte sich in den kommenden Tagen schnell ändern...

Zu jedem Tag werde ich einen reichtlich bebilderten Post verfassen. Meine Reisetipps und Erlebnisse in Island werden in den Kapiteln hier unten verlinkt. Wenn ihr meinen Blog abonniert habt, dann werdet ihr keinen der aktuellen Posts verpassen. Ich werde hier nach und nach alle kommenden Berichte verlinken und diesen Beitrag immer wieder aktualisieren. Ich freue mich!

TAG 1 // Reykjavik - ein Fischerdorf, das jetzt Touristen fängt

An meinem ersten Tag in Reykjavík stromere ich an einem ruhigen Sonntag durch die Stadt. Ich mache mir hier erstmal einen Überblick über die Lage ...

TAG 2 // Golden Circle - der Klassiker für Einsteiger als Bustour

TAG 3 // Mit dem Mietauto zur wunderschönen Snaefellsnesshalbinsel

TAG 4 // Relaxtag im heißen Fluss und am Beach in Reykjavik

TAG 5 // Roadtrip - Wo geht es hier nach Landmannalaugar?

TAG 6 // Roadtrip - Hitchhiker, Gletscher, Lagunen bis nach Höfn

TAG 7 // Roadtrip - Hringvegur zurück nach Reykjavik

TAG 8 // Feiern in Reykjavik



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FOOD // Knuspermuesli

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// Guten Morgähn - so kann das Frühstück nur lecker werden. Selbstgemachtes Knuspermuesli.

Das Frühstück wird ja mit Liebe zur schönsten und wichtigsten Mahlzeit des Tages erhoben. Muesli gehört da irgendwie dazu. Aber da ich ne kleine Mäkeltante bin und keine Walnüsse oder Haselnüsse am Frühstückstisch zerkauen möchte, mach ich mein Muesli einfach selber. So!

Sag mir wie dein Muesli aussieht und ich sag dir wer du bist. Ich mag's süß! Genauso wie meinen Kaffee. Außerdem hab ich ein großes Faible für rote Früchte und Beeren. Daher kommen auch Cranberries, Berberitzenfrüchte (schön sauer) und schwarze Sultaninen in mein Muesli rein. Anstatt an Nüssen, knabber ich lieber an Kernen. Daher streue ich ne großzügige Portion Kürbiskerne und Sonnenblumenkerne in's bunte Treiben. Einzig ein paar seidige Mandelsplitter dürfen bei mir auf der Frühstücksparty mitfeiern. Und als Grundlage nehme ich Dinkelflocken. Eine ganze Packung. Ich habe keine Lust mehr auf Weizen und Co. Für Glutenintolerante ist das übrigens auch der perfekte Punkt sich an Hirse- oder Sojaflocken zu versuchen.

Damit das Müsli richtig knusprig abgeht, vermansche ich diese gesunde Mischung mit circa einer halben Packung flüssigem Honig. Und für den extra Yummyeffekt großzügig Zimt drüber. Denn wenn man sich schon wie ein Eichhörnchen für den Winter vorbereitet, dann darf es auch gleich ein bisschen dufte zugehen. Zimt wird übrigens nachgesagt, dass er ein wahres Wundermittel ist und zum Beispiel blutzuckersenkend und magenschmeichelnd wirkt.

Der klebrige Brei kommt auf ein Backblech, dass ich leicht mit Öl eingefettet habe und wird dann bei 150-175° im Ofen gebacken. Aufpassen, dass die Rosinen und Früchte nicht verbrennen. Es wird wunderbar duften. Wichtig ist, dass man immer mal umrührt. Wenn man es noch süßer mag und mehr Honig oder gar noch Butter zu dem Rezept hinzugibt, wird das Müsli noch crunchiger und es können so kleine Batzen entstehen.

Ich genieße mein Knuspriges Selbstmachwunder hier auf Satsumas und einem kleingeschnittenen Apfel mit einem großen Schlag 10%igem Joghurt. Lass krachen!




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REZEPT // KNUSPERMUESLI
  • 500g Dinkelflocken
  • 200g Cranberries
  • 100g schwarze Sultaninen
  • 100g Berberitze
  • 50 g Mandelsplitter
  • 50 g Kürbiskerne
  • 50 g Sonnenblumenkerne
  • 250g flüssigen Honig
  • große Prise Zimt

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Wednesday

MUSIC // GusGus im Berghain

Konzerte sind für mich immer wie Wundertüten, bei denen man auch mega enttäuscht werden kann. Aber eben auch richtige Knaller erleben kann. Seit Jahren verfolge ich die Entwicklungen, Wechsel und Ergüsse der Isländer von GusGus. Auch die entspringenden Seitenprojekte, wie Gluteus Maximus habe ich sehr in mein Ohrenherz geschlossen. Meine Islandreise vor wenigen Wochen wurde auch durch diese Musik getriggert. Zwischen der bizarren Schönheit der Landschaft hatte ich ständig einen GusGus-Song im Ohr. Dazu aber später bei meinem folgenden Islandbericht mehr.



// GusGus - Mexico

Gestern Nacht nun erklommen GusGus in alter Tradition die Bühne im Berghain und gaben ihr ausverkauftes Konzert im Rahmen ihrer aktuellen Tournee. Die Band agiert seit nunmehr 19 Jahren und hat eine immense Kraft angestaut. Der Sänger Daníel ist wieder dabei und haut mich mit seiner prägnanten Stimme und seinen pointuierten Bewegungen auf der Bühen einfach vom Hocker. Neu in der Besetzung ist Högni, dem ich im Frühjahr bereits mit seiner Band Hjaltalin lauschen durfte. Seine Stimme ist ganz anders als Daniels Stimme samtiger und viel flächiger. Die Kombo der vier Jungs ist ein wahres Sahnehäubchen auf meinem kurzen Berlinstop. Ein Sahnehäubchen mit richtig viel Fett. Soviel Fett, dass man nur mit offenem Mund vor der Bühne die Arme ausbreiten kann und sich den Happen saftig darreichen lassen will.

Vier Typen auf der Bühne, zwei Mensch-Maschinen und zwei Sänger. Ich stehe ganz vorne und bekomme die volle Welle des Sounds und der Energie ab. Es gibt eigentlich schon kein Halten mehr, da GusGus mit unglaublich ansteckender Klasse und Performance die neuen Songs vom neuen Album Mexico zum besten geben. Aber mein riesiges Fangirl-Herz explodiert und ich kann nicht anders als bis zum absoluten Zerschwitzen mitzutanzen, als die Beats von "Moss" oder "Over" anklingen. Daniels Stimme gibt mir den Rest! Ich freue mich persönlich auch, dass die Stimme der ehemaligen Sängerin Earth auftaucht.

Nach dem Konzert fliege ich! Wie einfach das funktioniert. Ich habe das Konzert an meinem ganzen Körper erlebt. Am liebsten würde ich mir das Zusatzkonzert heute gleich nochmal geben. Aber ich reise heute schon wieder aus Berlin weg. Meine drei Tage dauernder Zwischenstopp hier in Berlin hat sich mit diesem Abend so unglaublich ausgezahlt!

Auf dem Nachhauseweg zeigt mir Berlin erstmal wieder, wer hier das Sagen hat. Unachtsam rase ich mit meinem Fahrrad über eine Kante, die mitten auf dem Radweg auftaucht. "Diese dreckige Hurenstadt!" fluche ich, während ich in Zeitlupe eine Schwalbe über den Bordstein fliege. Vom flatternden Fangirl hoch in den Wolken umnebelt von isländischer Musik lande ich schlitternd auf dem Boden der Tatsachen. Hach Berlin, du dumme Drecksstadt mit deinem beschissenen Zauber.


Monday

TRAVEL // Dogs and other People in Barcelona

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// Barcelona Streetphotography - the young, the old, the quiet, the worried, the relaxed and the curious....

 Ein Mädchen tantzt mit ihrem weißen Sommerkleid zwischen all den Touristen, die am Markt vorbei zum Hafen strömen. Die Zeitungen verbreiten Neuigkeiten, die mit dem Lesen obsolet werden. An der Straßenecke knutscht ein Pärchen während sie sich schwerfällig über den Bordstein in Barceloneta schleppt. Die Zeit vergeht, sie steht nie still und jeder von uns findet seinen eigenen Platz. Also verrichtet man weiter seine alltäglichen Dinge, lebt vor sich hin und macht sich keine Sorgen mehr, wenn man mitten auf der Straße auf seinen Stock gestützt den Einkauf nachhause zieht. Von Gracia, Las Ramblas, den Vierteln bis Barceloneta herunter... das Leben.
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Sunday

TRAVEL // Die Straßen von Barcelona & alte Leute

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// Streetphotos in Barcelona 

Endlos durch die Viertel Barcelonas treiben lassen; verloren gehen; die markanten Ecken wiedererkennen. So langsam setzt sich meine innere Karte von der katalanische Stadt in meinem Kopf zusammen. In den Vierteln Gracias laufen die Straßen parrallel zueinander. Einfach immer geradeaus, oder einfach im Zickzack um die Ecken biegen. Wenn ein Häuserblock ausgespart wird, öffnet sich die Straße zu einem kleinen Platz, der von Bäumen überschattet wird. Unter deren Schattenspiel sitzen entspannte Menschen auf den Bänken oder in kleinen Kaffees.

Ich stoße immerwieder auf meine Faszination für die älteren Leute in den Straßen. Auch in Lissabon haben sie immerwieder meine Aufmerksamkeit gefangen. Es ist die Zeit des Tages. Sie sind die überwiegende Gruppe, die vormittags durch die Straßen läuft. Erldigungen, der kleine Hund, die Freunde auf der Bank zu treffen oder noch ältere Anghörige einmal aus dem Haus bringen... Die Gemächlichkeit und die Gewissheit, dass es keiner Eile mehr bedarf umgeben ihre Aura. Und gerade in den südlichen Ländern packt man seine gerade geschnittenen schlichten und gepflegten Sachen raus, bevor man das Haus verlässt. Ein Hut ist bei den Männern immer dabei und umreißt die Silhouette. Wenn dann noch eine Pfeife, ein Stock oder ein Hund dazukommt, dann fühle ich mich sogleich in eine andere Zeit versetzt. Vielleicht sind es die großen Bilder der Streetfotografie, die ich dort vor mir laufen sehe und suche....


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Friday

TRAVEL // Barcelona Streets

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 // Ein paar Streetphotos von heute in Barcelona

Spätsommerhitze und -schwüle liegen tagsüber in der Luft. Gestern bin ich mit Vueling von Berlin nach Barcelona geflogen um zwei Tage Zwischenstop vor meiner Weiterreise nach Island einzulegen. Hier komme ich im Hostel Casa Gracia unter, dass ich gut und gerne weiterempfehlen kann. Die Räume sind großzügig, in unserem Dorm stehen keine Doppelstockbetten und wir haben eine große Fensterfront zu dem kleinen Garten im Hinterhof. Das Hostel liegt direkt auf dem Passeig de Gracia und so sind wir gestern nacht auch in das Getümmel im Straßenfestival im Graciaviertel gelandet. Ich teile mir das Zimmer mit fünf Jungs aus London. Und da kam die Coverband mit ihren Beatleshits gestern auf der Straßenbühne genau richtig. Alle Lieder konnten wir mitsingen und hatten nicht nur beim Tanzen in der Straße Spaß.

Heute bin ich einmal mehr die Prachtstraßen in Barcelona hinuntergeschlendert. In meinem Kopf rede ich immer Französisch und manchmal versuche ich in der Konversation mit diesen Sprachbrocken mein nicht vorhandenes Spanisch zu überbrücken. Diese Stadt baucht mehr als nur ein Wochenende - hier könnte man mal ein Jahr lang leben....

Es riecht irgendwie immer so gut auf den Fußwegen; fast als ströme aus den Boutiquen und Shops parfümierte klimatisierte Luft, oder als verwende die Straßenreinigung Waschmittel. Überhaupt wirkt Berlin dagegen echt rumpelig und miefiger als Hauptstadt. Schon bei der Fahrt mit dem Zug vom Flughafen bestaunte ich, selbst am Straßenrand die vielen Blüten von Wicken und Hibiskus. Die Graffittis an den Mauern waren in ein lila Blütenmeer gehüllt.

Von hier aus recherchiere ich weiter fleißig über mein kommendes Reiseziel. Ich lese über den Punker, der plötzlich der Bürgermeister von Reykjavik wurde; ich google, was man als Hipster so in Island trägt; ich schaue nach dem Liveticker zum Status des Bardarbunga Vulkans und gucke mir ganz viele Fotos von anderen Islandbesuchern an.

In Barcelona schüttet es gerade wie aus Eimern und ich denke darüber nach, dass ich bereits morgen um die gleiche Zeit im Flieger nach Reykjavik sitzen werde und bin noch gespannter. Aber die tagelange Nervosität hat sich komplett gelegt: denn ich bin jetzt unterwegs und es geht alles glatt. Es wird schön!!!
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Wednesday

TXT // Tarnkappe



Ich treffe einen Freund im Dunkeln. Verabredet sind wir am Becken beim Urbankrankenhaus und ich radel schnell rüber. Wir sitzen mit Rotweinflasche und -gläsern auf der Wiese und bereden Beziehungen und andere Katastrophen. Über die Wasserfläche hat man einen Blick auf den zunehmend aufziehenden Nieselregen. Einmal mehr ziehe ich intuitiv meinen schwarzen Schal über meinen Kopf. Mein neues Erscheinungsbild löst bei ihm Lachen aus, gepaart mit der Erkenntnis aus meinem Munde ab jetzt erstmal zölibatär leben zu wollen. "Ja, so siehst du auch gerade aus!"

Der Nieselregen in diesem feuchtfröhligen berliner Sommer bescherte mir Schirmvergesserin bereits auf dem Weg zum Club mit ebendiesem Kopfschutz einmal diese Erkenntniss. Ich gehe die Revaler Straße herunter und treffe auf dem dunklen Weg auf eine Gruppe angetrunkener Typen. An sich keine angenehme Situation in der ich sonst immer Blickkontakt zu vermeiden versuche und ein bisschen energischer durch die Gruppe durchsteuere. Heute dann einmal ein anderer Kommentar: "So ne schöne Frau und dann mit Kopftuch..."

In Moabit komme ich heute abend per Rad wiedereinmal mit meiner Tarnkappe an. Es liegt Feuchtigkeit in der Luft. Keine der üblichen Bemerkungen, Rufe und Geräusche der kieztypischen Klientel vor den Spätis und Schishabars. Stille! Meine Tarnkappe funktioniert hier erschreckend gut. Fast könnte ich mich an dieses Spiel gewöhnen. Ein Spiel mit Identität und Wahrnehmung. Eine Tarnkappe mit der ich vorgebe eine Andere zu sein. Eine Tarnkappe, die ich selber täglich an anderen Frauen sehe. Darf ich mir dieses Spiel erlauben?

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WORK // Meeresrauschen


Fotoassistenz // Marc Schuhmann hat das Editorial "Meeresrauschen" für die Blonde geschossen und ich durfte helfen

Ganz oben an der Spitze, wo der Darß sich immer wieder vom Westwind verformen lässt und der Sand wandert, da steht ein Leuchtturm umringt von windschiefen Bäumen. Dort, unbedingt dort wollte Marc Schuhmann das Editorial zur Meeresausgabe der BLONDE schießen.

Also verbrachte ich meinen Geburtstag Mitte Juni am Meer und durfte Marc bei dem abenteuerlichen Unterfangen unterstützen. Es war ein herrlicher Tag mit viel Action und unglaublich tollen Ergebnissen. Das Team war auch ganz herzallerliebst und die Models vor der Linse der Knaller. Bis die letzten Sonnenstrahlen im Meer verschwanden, ackerten alle und gaben ihr Bestes.

Endlich einmal durfte ich meinem Freund Marc bei der Arbeit ganz nah über die Schulter gucken. Er arbeitet intuitiv, hat eine klare Vorstellung wonach er sucht und ist immer im Fieber. Ich hab 'ne Menge gelernt und vor allem Blut geleckt und will jetzt auch noch meer und mehr.

Der Nachhauseweg nachts über die Autobahn wurde von einem riesigen Vollmond über uns begleitet. Ein ganz besonders schöner (Geburts)Tag für mich!

Also, huschhusch zum Kiosk und die aktuelle BLONDE kaufen!

FOTOS & PRODUKTION: Marc Schuhmann/Superagent.ch
STYLING: Venessa Celikovic
FOTOASSISTENZ: Lisa Johanna Thiele
HAIR&MAKE-UP: Daniela Vrösch/Liganord
MODELS: Leoni Höllner & Nina Carlsson/Modelmanagement
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Monday

FOTO // Sommertrubel



Jetzt habe ich den Blog im fortlaufenden Trubel des Sommers bereits wieder einmal vernachläsigt. Ich gelobe erneut Besserung und werde mich in häufigeren Updates und Einblicken zu üben versuchen. Eigentlicht müsste ich bereits im Frühjahr beginnen mit dem Erzählen der verschiedenen Ereignisse und Jobs mit denen ich in den letzten Monaten so glücklich abgelenkt wurde. Aber ich mache es mir einfacher und steige im Hier und Jetzt ein und streue mal eben einige einzelne Momente ein. Aufgenommen wurden die Bilder oben in Berlin, Heinrichsruh und bei meinen Eltern.

Nun gerade sitze ich hier in Berlin in meiner Wohnung und komme das erste Mal wieder ein bisschen zum Durchatmen und genieße die freie Zeit. Das bewirkt aber auch gleichzeitig eine Faulheit, die in der Umkehr für mich schon wieder unerträglich wird. Ich muss was tun und werde schon wieder unausgeglichen und hyperaktiv. In den letzten Monaten habe ich an vielen tollen und verschiedenen Projekten mitwirken können, aber auch einige alte gehen lassen.

Als ich nach Lissabon geflogen bin, habe ich mit der Ära "Neue Heimat" in Moabit abgeschlossen. Nach fast vier Jahren Engagement in dem kleien Barprojekt in Moabit war die Freude verpufft, die Fronten nicht mehr freundschaftlich und die Stagnation machte sich auch dort breit. Auf zu neuen Ufern! Gleich im Anschluss hatte ich nämlich die unglaubliche Freude beim Olympus Photography Playground als Teamleiter in der Ausstellung zu arbeiten. Das beste Team der Welt so far. Ich vermisse diese coolen, kreativen und herzlichen Menschen, die man sechs Wochen jeden Tag sehen durfte sehr. Aber zum Glück halten wir fleißig den Kontakt und schaffen es ab und an auf ein Kaltgetränkt in Berlin.



Was die kommenden Wochen bringen werden, das kann ich noch nicht genau sagen. Einzig steht meine allererste Hochzeitseinladung in's Haus - da bin ich echt gespannt wie ein Flitzebogen. Die beiden Verlobten schulden meiner damaligen Kuppelei ihr Glück und ich glaube, dass ich daher auch nicht ganz unbehelligt an der Geburt zweier schnuckeliger Söhne bin.... :)

Außerdem muss ich unbedingt meine Reisepläne für Island im August konkretisieren. Aber wirklich, bei den schwitzigen Temperaturen hier an Gletscher, Vulkane und Norgwegerpullis zu denken, fällt mir echt schwer.

Stay tuned und habt einen schönen Sommer.
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