Sunday

robert mapplethorpe

Scan 6.2
konica eu-mini im c/o berlin robert mapplethorpe

Einige Gedanken zur Austellung im C/O in Berlin - oder über das Verblassen des Provokativen. Ich habe die Ausstellung mit einem Date besucht (männl.) und mein Begleiter war offenkundig unangenehm betroffen von den frontalen Ablichtungen all dieser Schwänze durch Herrn Mapplethorpe. Ich nicht - hab wohl auch schon ein paar mehr davon zu Gesicht bekommen. Ich habe mich kurz gefragt, ob Männer bei abgebildeten Mösen weniger nervös würden?
Im Allgemeinen regte mich die Einbettung Mapplethorpes Arbeiten in seine und nun meine heutige Zeit und die sich damit wandelnde provokative Wahrnehmung an, über die Photographie heute nachzudenken. Ich halte es heutzutage für nicht nachhaltig mit provokativen Arbeiten auf sich aufmerksam machen zu wollen. Diese Art von Gag hat eine klar umrissene Halbwertszeit und ist zum Verblassen verdammt. Aber wieso wird Photographie (und Kunst auch?) zunehmend zur Nabelschau des Künstlers? Ich empfinde diese Entwicklung in den letzten Jahren sehr präsent. Die Inhalte bleiben an der Oberfläche der Persönlichkeit hängen und wagen sich niemals in die Tiefen jenseits des Hedonismus. Eben diese von mir empfundene Entwicklung finde ich auch sehr schade und überlege, ob ich Teil dieser Disziplin sein möchte/sollte/könnte. Diese Frage bleibt bisher noch offen. Aber ich freue mich über eure Meinungen, Anregungen Einwände ganz besonders.
Ach, und guckt euch die Austellung an!
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4 comments:

  1. 1) Es kommt natürlich auf die Offenheit des Herren an. Ich selbst war in der Mapplethorpe Ausstellung in Düsseldorf und fand die intensive Auseinandersetzung mit dem (männlichen) Körper sehr interessant. Mapplethorpe vermag wie kaum ein Anderer eine unglaubliche Intensität in seine Bilder zu bannen. Diese, in Kombination mit der männlichen Sexualität mit der wir Männer sowieso immer ein Problem haben, kann abschreckend wirken.

    2) Was ist Provokation? In den 60er Jahren war eine nackte Brust im Kino anlass zu härtesten Protesten & Debatten in der Gesellschaft. Heute kommt man schon im Frühstücksfernsehen in den Genuss von einer ganzen Reihe von "Titten" - vom Bild Seite 1 Mädel will ich gar nicht erst anfangen. Diese Veränderung gesellschaftlicher Erregungspunkte führt zu neuen Suchen nach Extremen, nach Aufhängern. Im letzten Jahr waren das etwa die "nuttig" aufgemachten Kinder in der Vogue, der Vorwurf der Kinderpornografie lag auf der Hand. Doch gerade durch die Beschäftigung mit den Tabus, den gesellschaftlichen Diskurs, verrücken die Grenzen immer weiter. Die Aufgabe des Provokationskünstlers liegt in meinen Augen darin diese Grenzen auszuloten, zu erkunden und ein reflektiertes, krtitisches Bild an die Öffentlichkeit zu liefern.
    Wohin führt uns aber dieser Weg der Provokation? Führen die neuen Grenzen nicht schlußendlich zu Anarchie? Der Vermoderung unserer Gesellschaft von Innen? Oder legt die Provokation gerade diese Vermoderung frei? Ist sie das Symptom oder ruft das Symptom sie hervor?

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  2. "Aber wieso wird Photographie (und Kunst auch?) zunehmend zur Nabelschau des Künstlers?"

    der künstler, ein mensch. eben dieser mensch schafft etwas (kunst) und diese "kunst" hat doch wohl oder übel mit dem menschen, dem künstler zutun.
    künstler und kunst lassen sich wohl schwer trennen, jedenfalls solange das produzierte authentisch ist, wobei, wissen wir überhaupt noch etwas von authentizität?
    man könnte ausholen und ausholen und ausholen bei diesem thema.
    im wesentlichen denke ich aber, das es immer darauf ankommt wie man mit etwas umgeht. zwei menschen (künstler) können den gleichen ansatz, die gleiche grundidee habe, diese aber vollkommen anders auslegen.
    sich selbst als (stil)mittel seiner kunst finde ich prinzipiell sehr interessant, denn ist man es doch selbst, dem man sich am nächsten steht, kann man doch mit sich selbst am ehersten ausdrücken was man ausdrücken möchte - falls man denn möchte.

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  3. @malte: der zweite teil gefällt mir. das oxymoron, etwas zu erobern, erweitern in dem gleichen prozess in dem sich der künstler seiner eigenen resultate entledigt, weil man das provokative mit seiner eroberung zur menge der normalität verfärbt. die reibungsfläche zwischen dem aufdecken und zerstören im selben prozess als motivation für das schaffen.

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  4. @anouk
    ich habe das wort nabelschau aus bestimmtem grunde verwendet: es steht für die reine konzentration auf sich selbst. die körperhaltung in der der eigene kopf sich wiederum dem eigenen zentrum zuneigt- gleichzeitig von den dingen jenseits des ichs abneigt. dabei wird logischerweise das rundherum außer acht gelassen. redundant, dass der "künstler" nur noch sein eigenes ich wahrnimmt und in seinen arbeiten nichts weiter tut als dieses zu reproduzieren oder gar zu inszenieren wie er sich gerne hätte.

    das hat überhaupt garnichts mit authentizität (eines meiner absoluten hassworte, da es sich schon beim aussprechen selber eleminiert!) zu tun!
    natürlich sind die produkte eines künstlers eine sache, die aus ihm fließt, quasi eine verlängerung seines ichs. aber wenn es an betrachtungen des ichs in einem kontext (welchem auch immer) fehlt ist's mmn schwachsinn was da fließt, weil es sich nicht öffnet, streckt oder entwickelt sondern in einem selbtgemachten kokon aus angenehmem und gefälligem vor sich hingärt.

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