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FASHION // Rick Owens macht Mode - und nicht euren Feminismus

Seit Rick Owens Spring 2014 Womenswear Präsentaion und dem darauffolgenden Hype an Begeisterungsrufen habe ich die Bauchschmerzen nicht wegbekommen. Darum steigert sich in mir das Bedürfnis dazu mal ein paar Gedanken zu äußern.
Wenn Rick Owens stampfende dunkelhäutige Tänzerinnen in lendenschurzartigen simplen Layerklamotten über den Laufsteg strampeln lässt; wenn überall ein animalisch verzerrtes Gesicht einer nicht-magersüchtigen dunkelhäutigen Frau durchs Web wabert, dann ist das noch lange kein Lichtblick am Himmel der grausigen Frauen- und Rassenbilder in der Mode!


Rick Owens Spring 2014 Womenswear Paris


Rick Owens errichtete ein Gegenteil des sonst erwartet neutralen sowie dünnen Models: Es geht auf dem Laufsteg plötzlich um eine Körperlichkeit, die in der Mode unerhört scheint. Die Tänzerinnen schlagen sich kraftvoll mit der Faust auf den Brustkorb, klatschen sich auf die muskulösen Oberschenkel und stampfen gebückt auf den Boden, anstatt steifen Rückens und gesteltzt am Ende des Laufstegs ohne Rührung eine Runde zu drehen. Wir sehen Frauen in unfemininen Gesten mit ungeziertem Verhalten und bedrohlich energischen Bewegungen. Die Gesichter sind vor Ärger verzerrt.

Derzeit ist das Bedürfnis nach mehr Identifikationspotential der Konsumentinnen mit Modeträgerinnen auf Bildern, Laufstegen, Bildschirmen und in Modezeitschriften so hoch wie noch nie. Davon zeugen Modeblogs genauso wie Reality-TV-Models. Mode soll runter vom Hochglanz und rauf auf die Mädels da draußen. Zumindest wünschen sich das diese Mädchen, die sich mit jedem Kleidungsstück und Markenbrand ein Stück vom Glamour erkaufen wollen. Doch allein mit dem Akt der Aneignung des verheißungsvollen Gutes macht sich die schale Realität breit, dass eben nicht jeder Kate Moss, Karlie Kloss oder Toni Garn sein kann. Das ist auch gut so. Derweil erkennen Marken und Modehäuser, dass sie mit der Präsenz in sozialen Netzwerken wie Instagram und Co. ihren Konsumenten eine Nähe und pesönliche Beziehung vorgaukeln können, die den Absatz angenehm steigert. Doch die Illusion, dass die Mode für die Käuferinnen nahbarer und demokratischer würde, verleitet diese zu schnell ihr Wunschdenken in das Gezeigte hinein zu interpretieren.
Ja, Diversität hat leider keinen Platz in der Ästhetikwelt von Modemachern. Und weiße Models sind noch immer das übliche "Material", auf dem die Klamotten präsentiert werden. Doch auch die Show von Owens durchbricht das lange überfällige Wertesystem der Modeindustrie nicht. Vielmehr offenbart auch Owens mit seinem Versuch einer "Antimodenschau" nur wie tief er in der "weißen Ästhetik" versinkt.

Rick Owens setzt in seiner Show keine Models ein und gibt daher den dunkelhäutigen und nicht stereotyp-dürren Models (die es sicherlich da draußen gibt) ebenfalls keinen Laufsteg oder Job in der Industry. Die vielmehr rassistischen Elemente der Präsentation, derer sich Rick Owens bedient, haben null komma nichts mit einer Lobpreisung der Vielfalt des weiblichen Körpers, noch mit einem aufgeschlossenen Rassenbild in der Mode zu tun. Wie sich die Aussage von Owens Show in der internationalen Rezeption und Medienwelt verselbstständigt hat, erschreckt mich. Aber richtig übel wird mir bei eurem Beifall und Bewunderungen des vermeintlich gezeigten feministischen Ansatzes dieser Show. Der Wunsch nach einem feministischer Wandel in der Mode ist inzwischen so Mainstream geworden, dass er gerne schnell an jeder Ecker herbeigesehnt wird. Aber lasst uns der Realität ins Auge sehen, dass solche medienwirksamen Shows auf Dauer leider keine radikalen Änderungen in der Modeindustrie herbeizaubern werden. It's just Fashion!

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1 comment:

  1. vor allem versteh ich den hype um rick owens nicht! mode ist so langweilig geworden..

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