Sunday

TEXT // Riechen und Reisen


F
rittiert. Ich rieche frittiert. Aber von Anfang an: Seit langem endlich einmal wieder habe ich meine lieben Freunde im Friedrichhain getroffen - Frittenhain. Dieses Paar, dass sich in meiner Wahrnehmung nie aus diesem Bermudadreieck der Zufriedenheit herauszubewegen scheint. Wohl weil die sorgsam eingerichtete Wohnung zu gemütlich ist und auch das Angebot in diesem Kiez haargenau ihren Bedürfnissen zu entsprechen scheint. Dieses beruhigende Gefühl des abgestimmten Wohnstils und der durchgeschönten Dinge in deren Leben nimmt mich immer wohlig auf. Zum Dinner gehen wir in ein Fischrestaurant, wo ein Tisch für uns reserviert wurde. Trotz gepfefferter Preise schmeckt die Fischsuppe lasch. Ich salze kräftig nach. Doch das scheint das Omen für den Untergang des Hauptgerichts zu sein: Der Fisch ist so salzig, dass man ihn kaum im Mund halten kann. Wir blicken aber gerne über die Qualität der Speisen hinweg und lachen endlich mal wieder über all dieses Foppen und die Wortspiele. Jetzt also sitze ich wieder zuhause und werde mir des Stigmas bewusst schon in der Bahn nicht nur frittiert gerochen zu haben, sondern nein: auch noch nach Fisch.

Die Sache mit den Düften zieht sich in diesem Jahr wie eine Herznote durch alle Geschichten und Erlebnisse. So suchte ich leicht angetrunken vom schweren Wein und den herzlichen Gesprächen mit einer guten Freundin im Klostergarten in der heißen Sommernacht nach diesem mir komplett unbekannten Duft und kann ihn schließlich bei den Blüten des Ölbaums verorten - einzigartig.

Ebenso suche ich noch immer nach einem würdigen Ersatz für mein Parfum, dass leider aus der Produktion genommen wurde. Die letzten drei Flakons habe ich mir damals aus München herbestellt. Ein letzter wartet im Kühlschrank auf mich. Jeweils ein halbes Jahr reicht die Menge aus um mir mein Finale zu geben, bevor ich das Haus verlasse. Und so kam ich auch zu der freundschaftlichen Verbindung mit dem kleinen süßen neuen Café in meiner Straße. Die Betreiberin überschüttete mich gleich bei meinem ersten Besuch bis zum Erröten mit Komplimenten. Ich rieche gepudert. In seinen Schlafsack bin ich diesen Sommer gekrochen, weil auch er eine Note von Vertrautheit an sich trug. Diese Vertrautheit die meine Neugier und Zuneigung weckte...

Vorvorgestern da küsst er mich auf meinen Stirn, wir umarmen uns und er sagt, dass ich nach Ofenheizung rieche. Da weiß ich, dass wir uns wahrnehmen und uns ganz und gar begegnen. Da weiß ich, dass wir einander Heimat sein wollen. Zufriedenheitsbermudadreiecke bauen.

Winter am Fenster mit Sonnenaufgang Quitten Tagescreme Dr. Hauschka Knit Pillow Strick Kissen von H&M Home -

2 comments:

  1. Ach, seit Jahren folge ich dir und genau wegen solcher Texte und Bilder finde ich dich herausragend und einzigartig in der Masse an Blogs, Stilbewegungen, whatever..., die so kommen und gehen. Hier ist einfach alles authentisch. Fühlt sich an wie 'nach Hause kommen'.

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  2. ohh dankesehr, da werde ich gleich ein bisschen rührig. ich hadere ja selber unter dem "sturm" der ganzen trendblogger mit dem sinn und zweck des bloggens... aber das gibt mir mut mich nicht mit der frage des reinen zwecks weiter auf- oder gar davon abzuhalten. es fühlt sich auch für mich immer doch noch richtig an genau so etwas schreiben zu können, wenn mir danach ist...
    merci.

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